1.7.2001 Deutsch English

Autoverkehr im Silicon Valley

Ein riesiges (etwa 35 mal 15 Meter) Reklameschild am Rand der Autobahn. Vergrößert das Bild und ihr seht die vier behelmten Arbeiter ganz oben, wie sie das Material festzurren!
Ein riesiges (etwa 35 mal 15 Meter) Reklameschild am Rand der Autobahn. Vergrößert das Bild und ihr seht die vier behelmten Arbeiter ganz oben, wie sie das Material festzurren!

(Michael) Der Verkehr auf den beiden Autobahnen 101 und 280, die von San Francisco aus ins weiter südlich gelegene Silicon Valley führen, hat mittlerweile katastrophale Ausmaße angenommen. Die Geschwindigkeitsbegrenzung von 65 Meilen pro Stunde (etwa 100 km/h) führt auf diesen (pro Fahrtrichtung!) vierspurigen Highways zwar dazu, dass jeder im gleichen Tempo fährt, weshalb amerikanische Autobahnen generell viel mehr Verkehr verkraften als deutsche, aber was zuviel ist, ist zuviel.

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Die Silicon Valley Eisenbahn

Auf dem Bahnhof "4th and King" in San Francisco
Auf dem Bahnhof "4th and King" in San Francisco

(Michael) Der Zug von San Francisco ins weiter südlich gelegene Silicon Valley heißt Caltrain und erinnert an eine Zeitreise ins Jahr 1960. Die Amerikaner haben in den letzten 40 Jahren alles in Autobahnen und nichts in öffentliche Verkehrsmittel gesteckt, was zur Folge hat, dass man selbst in der erfolgreichsten High-Tech-Gegend der Welt noch genau wie vor vierzig Jahren Zug fährt: Mit einer Diesel-Lok, die der Lokführer auf etwa 80 km/h Höchstgeschwindigkeit bringt und andauernd mit einer mechanisch bedienten Klingel bimmelt. Der Zug rumpelt wie auf der Strecke von Kalkutta nach Neu-Delhi. Die Fahrt von San Francisco ins etwa 60km weiter südlich gelegene Mountain View dauert eine Stunde. Die Züge verkehren stündlich, in den Stoßzeiten am Morgen und Abend etwas öfter.

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Die Straßen von San Francisco

Ein historisches Ereignis am 9.6.2001: Der "PERL MAN" in der Pole Position.
Ein historisches Ereignis am 9.6.2001: Der "PERL MAN" in der Pole Position.

(Michael) Außer den untragbaren Verkehrsverhältnissen gibt es noch einen anderen Grund, warum ich unser Auto nicht gerne bewege: Es ist sehr schwierig, bei uns in San Francisco einen Parkplatz zu finden. Da wir keine Garage haben, müssen wir, falls einer von uns nach sieben Uhr abends mit dem Auto nach Hause kommt, teilweise bis zu einer halben Stunde um den Block fahren und suchen, um einen zu ergattern. Falls wir das Auto mal zufällig in der Nähe der Wohnung geparkt haben, überlegen wir uns gut, ob wir's nochmal bewegen. Man bewertet die Parkplätze nach den Straßenreinigungstagen -- einen "Montagsparkplatz" muss man montags aufgeben, da dann das Kehrauto kommt. Am Dienstag einen Montagsparkplatz zu bekommen, auf dem das Auto dann theoretisch eine ganze Woche stehenbleiben kann, gilt als übermenschliche Leistung, die gerne mit Champagner belohnt wird. Wer sein Auto hingegen am späten Dienstagabend mangels Alternativen auf einem 7-Uhr-Mittwochsparkplatz parkt, muss mit der Narrenkappe ins Bett.

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Radarfallen

Ein rabiater Halbstarker hat seinen Pickup-Truck am Hydranten geparkt!
Ein rabiater Halbstarker hat seinen Pickup-Truck am Hydranten geparkt!

(Michael) Ich hatte schon geschrieben, dass auf der Autobahn meistens 65 Meilen pro Stunde (100 km/h) erlaubt sind. Wochentags hält sich aber außerhalb der Stauzeiten kaum jemand daran -- üblich sind vielmehr 85 mph (130 km/h). Das kann man auch gefahrlos tun, wenn man nicht gerade der einzige Raser auf weiter Flur ist, denn in Amerika gibt's keine Radarfallen mit Kamera. Vielmehr muss ein Polizist in einem ganz offiziell markierten Streifenwagen am Rand der Autobahn parken, mit einer Radarpistole die Geschwindigkeit eines Autos messen, dem Raser nachjagen, ihn einfangen, rechts ranfahren lassen und von Hand einen Strafzettel ausstellen. Das dauert gut und gerne 20 Minuten, sodass also, wenn zwischen San Jose und San Francisco vielleicht 5 Streifenwagen stehen, die Chance, erwischt zu werden, gleich Null ist. Meist sieht man den Polizeiwagen von weitem, dann bremst die ganze Kolonne beinahe magisch ab, um kurze Zeit später wieder auf 85 zu beschleunigen. Gefährlich ist's nur, schneller als alle anderen zu fahren oder dauernd die Spur zu wechseln. Das fällt auf, außerdem kann's auch mal sein, dass ein Polizeiwagen oder -motorrad schneller als alle anderen von hinten kommt. Da heißt es aufpassen und den Rückspiegel im Auge behalten. Passiert's doch einmal, dass ein Wagen der Marke "Ford" Modell "Crown Victoria" mit einer laufenden Lichtorgel hinter einem herfährt, heißt's, sofort rechts ranzufahren und -- auch auf dem Highway -- auf dem Seitenstreifen anzuhalten, wenn das gefahrlos geht. Es ist auch ganz wichtig, ganz ruhig sitzen zu bleiben und nicht etwa auszusteigen, denn Polizisten in Amerika sind allergisch gegen hektische Bewegungen aller Art. Steigt der "Officer" dann aus und nähert sich dem Auto (auf dem Highway übrigens auf der Beifahrerseite), kurbelt man das Fenster runter und falls er "Licence and registration please" sagt, gibt man ihm Führerschein und Kraftfahrtzeugschein. Falls sich letzterer im Handschuhfach befindet, empfiehlt es sich, dieses mit einer blitzartigen Handbewegung zu öffnen -- allerdings nur, falls man das Geräusch eines spannenden Abzugshahns hören und in die Mündung eines Revolvers kucken möchte. Geld kriegt der Polizist übrigens keines, das geht per Überweisung, jedes Fuchteln mit Geldscheinen wird als Bestechung ausgelegt, also Vorsicht. Wer ein "Ticket" wegen zu schnellem Fahren erhält, kriegt in Kalifornien Strafpunkte, die anschließend nicht nur in der Verkehrssünderkartei stehen, sondern auch mit 100%iger Sicherheit an die Autohaftpflichtversicherung gehen. Diese erhöht dann prompt die Prämie. Man kann die Punkte aber abarbeiten, indem man Verkehrsschulungen besucht. Meist sitzt man dazu an einem Samstag ein paar Stunden in einem Übungsraum und hört sich Unfallstatistiken und Fahrtipps an, aber seit neuestem kann man sich auch in einigen Counties (Landkreisen) durch einen Verkehrsregelnkatalog im Internet arbeiten, eine Prüfung in Form einer Webseite ablegen, und bei Bestehen die Punkte tilgen lassen. Das ist doch Fortschritt!

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Parken

Die böse Strafzettelwespe, die dem Kehrauto voranfährt!
Die böse Strafzettelwespe, die dem Kehrauto voranfährt!

(Michael) Zur Parksituation: In San Francisco kommt auf den meisten Straßen einmal die Woche das Kehrauto vorbei. Dann darf man dort nicht parken, schließlich soll die Kehrmaschine ungestört durchfahren. Man muss also immer aufpassen, was auf dem Straßenreinigungsschild steht, bevor man sein Auto abstellt. Jede Straße hat ihre eigenen Reinigungszeiten, auf der Ostseite der Church Street, in der wir wohnen, ist es zum Beispiel Mittwoch von 8 bis 10 morgens. Auf der Westseite ist es Montag, auch von 8 bis 10. Auf der Nordseite der 23. Straße ist es Freitag 12 bis 2 Uhr nachmittags. Auf der Südseite ist es Dienstag, auch von 12 bis 2 Uhr nachmittags. Ziemlich genau in der Mitte des Zwei-Stunden-Zeitraums kommt dann kurz das Kehrauto vorbei, zusammen mit einigen kleinen Strafzettel-Wespen, die 30-Dollar-Tickets für jedes geparkte Auto verhängen -- aber nur unmittelbar bevor das Kehrauto durchfährt. Ist das Kehrauto vorbei, kann man auch sofort wieder parken, selbst wenn die zwei Stunden noch nicht um sind.

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Öffentliche Verkehrsmittel

Die U-Bahn in San Francisco: BART
Die U-Bahn in San Francisco: BART

(Michael) Auch ein öffentliches Verkehrssystem gibt's in San Francisco, die "San Francisco Municipal Railway", kurz "MUNI" genannt. Buslinien mit Nummern und Straßenbahnen mit Buchstaben (J,K,L,M,N) befördern die Leute überirdisch. Die Linie, die bei unserem Haus in der Church Street vorbeifährt heißt J-Church. Es gibt übrigens eine recht bekannte alternative Rockband namens "J-Church" in den USA. Die Musik ist zwar eher bodenlos aber ratet mal, aus welcher Stadt die kommen?

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Die Hundeplage

Hundebesitzer in San Francisco. Der Herr hält ein Sackerl mit dem Hundekacki in der linken Hand.
Hundebesitzer in San Francisco. Der Herr hält ein Sackerl mit dem Hundekacki in der linken Hand.

(Michael) Ist man zu Fuß unterwegs, lauern einem übrigens mittlerweile nicht mehr irgendwelche wildgewordenen Straßengangrüpel auf -- San Francisco ist sehr brav geworden in letzter Zeit. Vielmehr gibt es eine neue Plage: Neulich, als ich, für den Marathon trainierend, durch die Wohngegend "Glen Park" lief, kam mir ein Hund und eine kinderwagenschiebende Frau entgegen. Beim Hund handelte es sich um einen völlig unscheinbar dreinschauenden Collie (wie Lassie) und ich rannte nichtsahnend an dem Trio vorbei. Plötzlich schnappt der unangeleinte Sauköter nach meiner Wade und beißt hinein!

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Straßenbahn und U-Bahn

Der 48-er Erlebnis-Bus in San Francisco, der fährt bei uns zu Hause vorbei.
Der 48-er Erlebnis-Bus in San Francisco, der fährt bei uns zu Hause vorbei.

(Angelika) Michaels ausführlicher verkehrspolitischer Bericht weihte euch ja in so manches Geheimnis ein. Ich nutze Bus und Straßenbahn seit jeher, um meine sozialen Studien zu betreiben. Wollt ihr San Francisco wirklich kennen lernen, schwingt euch einfach in die öffentlichen Verkehrsmittel. So manches Abenteuer wartet auf euch. Ich spreche hier jetzt nicht von dem weltberühmten Cable Car, denn die Einheimischen in San Francisco nutzen das Cable Car in der Regel nicht um von Punkt A nach Punkt B zu kommen. Nein, das Cable Car fahren auch die "Locals" mehr aus Spaß an der Freud; bevorzugt mit Besuchern im Schlepptau. Fahrt Bus, Straßenbahn oder Bart, wenn ihr wissen wollt, was diese Stadt ausmacht. Eine meiner Lieblingsbuslinien ist zum Beispiel die Nummer 30 "Stockton", denn dieser Bus fährt mitten durch Chinatown und in ihm wird hautnah spürbar, dass in San Francisco die meisten Chinesen außerhalb Chinas leben. Aber Vorsicht! Der Bus ist immer rappelvoll. Also nichts für Menschen, die unter Platzangst leiden. Von Asien nach Südamerika ist es in San Francisco nur ein Katzensprung. Steigt in den Bus No 14 "Mission" ein, der euch vorbei an Taquerias und einem bunten Mix von Geschäften durch das lateinamerikanische Viertel (genannt "The Mission") führt. Schillernden Persönlichkeiten begegnet ihr im Bus Nummer 48, der fast vor unserer Haustür abfährt. Der Grund für die Extraverganz ist eher traurig, denn die Buslinie fährt am "General Hospital" vorbei, das über ein Kriseninterventionszentrum für psychiatrische Patienten verfügt. Patienten werden in diesem Zentrum auch dann behandelt, wenn sie nicht versichert sind.

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Neues vom Präsidenten

(Angelika) Diesen Monat begab sich ja unser "Mr. President" auf Europareise. Wie wir hörten und lasen, bekleckerte sich Bush nicht gerade mit Ruhm, wurde er doch dem hässlichen Bild des sturen, uneinsichtigen, texanischen Cowboys gerecht, dem seine Freunde in der Ölindustrie über alles gehen. Umweltschutz -- nie gehört! Dieses mangelnde Umweltbewusstsein beschert Bush auch inneramerikanisch mittlerweile Imageverlust. Der Vertrag von Kyoto ist zwar für viele Amerikaner ein Fremdwort, aber dass Bush in Alaska nach Gas bohren will oder dass er das Gesetz, das die Höchstgrenzen von Arsen im Trinkwasser reduziert, zurücknahm (Clinton brachte es auf den Weg), erzürnt viele. Bush zeigte deshalb vor seiner Europareise ein Herz für die Umwelt, in dem er zwei Nationalparks (den "Everglades" in Florida und den "Sequoia National" Park in Kalifornien) besuchte. Ob das hilft?

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Letzte Änderung: 26-May-2024