Michael Wildtiere haben wir hier in Amerika ja zuhauf, Bewanderer der zahlreichen National- und State-Parks berichten oft über Sichtungen von Bären, Pumas, Büffeln und vielem anderen Getier mehr. Allerdings mehren sich in letzter Zeit Meldungen, nach denen Wildtiere bis weit in urbane Gegenden vordringen, und San Francisco und die drumherum liegende Bay Area machen da keine Ausnahme.
Bei unserem sonntäglichen Altherrenfußball im Stadtteil Bernal Heights zum Beispiel grenzt das Spielfeld an einen Bereich mit mannshohen Büschen, in denen eine Kojotenfamilie wohnt. Warnschilder am Eingang des Sportplatzes weisen auf die wilden Bewohner hin, und empfehlen, Hunde nur an der Leine zu führen und nicht frei laufen zu lassen. Und tatsächlich kommen die Kojoten bei sonnigem Wetter auch gerne mal hervorgekrochen, und wir sehen sie dann am Spielfeldrand mit ihren Jungen herumtollen.
Anders als Wildkatzen wie zum Beispiel Pumas greifen Kojoten aber keine Menschen an, außer vielleicht, wenn sie sich direkt bedroht fühlen. Es sind halt wilde Hunde, die aber recht scheu sind und nicht nur mal so herkommen. Vom Fußballfeld ist allerdings der Ball auch noch nie nach einem Fehlschuss in Richtung Kojoten geflogen, sodass ich gar nicht sagen kann, was in einem solchen Fall zu tun wäre. Den Ball da wieder rauszuholen würde sicher einigen Mumm erfordern und müsste ohne hektische Bewegungen erfolgen.
Haustiere sollte man nicht in die Nähe von Kojoten lassen, denn erstere sind unter Umständen dumm genug, die Wildhunde zu provozieren, und das geht dann sehr schnell nach hinten los. Auf dem Online-Forum Nextdoor hat neulich eine Anwohnerin darüber berichtet, dass sie beim Spazierengehen in unserem Viertel einen Kojoten beim Verspeisen einer gescheckten Katze beobachtet hat (Abbildung 4). Also Vorsicht!
Als wir neulich am Labor-Day-Wochenende während unseres Kurzurlaubs im etwa 50km nördlich gelegenen Point Reyes noch einen Abendspaziergang machten, kamen wir zuerst an einer frei grasenden Kuhherde vorbei und sahen dann zwei ausgewachsene Kojoten im prallen Abendlicht in aller Seelenruhe durch die Herde trippeln (Abbildung 1). Auch die Kühe schienen keineswegs beunruhigt, also fotografierten wir in vielleicht 50 Meter Entfernung auch einfach weiter. Die Tiere waren scheinbar aneinander gewöhnt, ja, es sah so aus, als träfen sie sich schlichtweg jeden Abend.