(Michael) Angelika hängt Tag und Nacht in der Dunkelkammer des Fotolabors herum und fröhnt ihrem Hobby. Die Dame hat schon mehrere Phasen ihrer Fotokarriere hinter sich: Zuerst fotografierte sie die Kinder im Tenderloin-Kindergarten, dann folgte die von mir so genannte Gemüse-Periode: Stilleben von Rettichen, Blumenkohl und ähnlichem, arrangiert in stundenlangen Sitzungen mit wechselnden Lichtverhältnissen, aufgenommen nach den neuesten Erkenntnissen der Fototechnik -- mehr kann ich leider nicht dazu sagen, ich bin ja nur ein dummer Software-Ingenieur. Dann folgten, für einen Kurs, Menschen in der Stadt, was ja in San Francisco sehr aufregend ist, da wirklich alle Hautfarben vertreten sind. Zur Zeit sind's wieder arrangierte Bilder, der neueste Schrei sind Kompositionen mit Eiern und Bleistiften. Ich mag ja immer noch die Bilder vom Kindergarten, aber die Frau Künstlerin wird fuchsteufelswild, wenn man sie auf die überwundenen Phasen ihrer Karriere anspricht. Demnächst werden ihre Werke in den Hallen der Uni ausgestellt, da ist sie schon ganz aufgeregt und ich muss zur Eröffnung mit, eieiei ... Drei Bilder aus ihrem Opus lege ich bei: Zwei Racker vom Kindergarten, das Stilleben von Bleistiften mit Ei und ein Selbsportrait -- durch Drucker und Kopierer gejagt natürlich nicht, wie die Frau Künstlerin betont, zu vergleichen mit den Originalen, aber immerhin!
Der neue Austin-Powers-Film "The Spy Who Shagged Me" (die deutsche Übersetzung wird bestimmt spannend) ist draußen und Angelika und ich haben ihn an einem Wochenende in einem Kino in Japantown gesehen, was haben wir gelacht, und danach haben wir uns mal wieder japanische Suppen mit Udon-Nudeln reingezogen, schmackofatz! Der Film ist voller Anspielungen auf die amerikanische Gesellschaft, so ist das Zentrum des Bösen im Film die Zentrale der von allen San-Franciscoianern gehassten Kaffeehauskette "Starbucks", die aus Seattle stammt, der Stadt, die keiner aus San Francisco ausstehen kann. Die schiefen Zähne des Superhelden sind übrigens eine Anspielung auf Europa: Austin Powers ist ja Engländer und spricht mit britischem Akzent, und im Gegensatz zu Amerika, wo jedes Kind eine Zahnspange trägt, wird in Europa auch ein wenig Wildwuchs geduldet, worüber sich die Amerikaner gerne lustig machen. Auch in den Sprachalltag sind einige Dialoge aus dem Film bereits eingeflossen: Will man, dass jemand ruhig ist, versucht man's erst mit schhhh! und dann mit "double-u-double-u-double-u-dot-schhhh!-dot-com" (www.schhhh!.com)! Sehr guter Film, ein Muss! -- Oder wie die Werbung für den Film vorschlägt: "Falls Sie diesen Sommer nur einen Film sehen -- schau'n Sie sich 'Krieg der Sterne' an. Falls Sie sich zu zweien aufraffen: Gehen Sie auch noch in 'The Spy Who Shagged Me'. Bescheidener geht's nicht.