09.03.2000 Deutsch English

Benetton und Todesstrafe

(Angelika) Dann ist hier zur Zeit die Werbekampagne der italienischen Textilfirma Benetton in aller Munde. Benetton ist ja dafür bekannt, mit außergewöhnlichen und provozierenden Werbekampagnen die Welt aufzuschrecken. Dieses Mal gehen Fotos von Todeskandidaten in US-Gefängnissen um den Globus. Benetton will damit auf das Problem der Todesstrafe in den USA hinweisen. Dabei geht es nicht darum, ob die Häftlinge eventuell unschuldig sind, sondern um die allgemeine Frage, ob ein Staat das Recht hat, den Tod als Form der Bestrafung anzuwenden. Die Staatsanwaltschaft des Bundesstaates Missouri hat bereits eine Klage gegen Benetton eingereicht und die amerikanische Kaufhauskette "Sears" will keine Benetton-Kleidung mehr in ihren Läden anbieten.

Abbildung [1]: Todeskanditaten in der Benetton-Werbung

Ich hoffe nur, das Benetton standhaft bleibt. Wer sich die Fotos anschauen will, kann sie unter www.benetton.com finden. Auch hier sei noch einmal auf den Wahlkampf verwiesen. Kein Präsidentschaftskandidat kann es sich "leisten", gegen die Todesstrafe zu sein, wenn er gewinnen will. George Bush, der republikanische Präsidentschaftskandidat und Gouverneur (so etwas wie bei uns der Ministerpräsident) des Bundesstaates Texas, hat erst wieder das Gnadengesuch einer über 60-jährigen Frau abgelehnt, deren Todesurteil deshalb vollstreckt wurde. Man hatte da schon sehr das Gefühl, dass er das für seinen Wahlkampf nutzt. Texas ist übrigens auch der Bundesstaat mit den meisten Exekutionen im Jahr 1999. Ein sehr makaberer und trauriger erster Rang, obwohl Bush das sicher anders sieht. Da wird einem wirklich Angst und Bange, wenn man bedenkt, dass er mit höchster Wahrscheinlichkeit der nächste Präsident der USA werden wird.


 
 
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Letzte Änderung: 25-May-2024