21.11.2001 Deutsch English

Amerika nach der Attacke

(Michael) Durch die verschärften Sicherheitsbestimmungen im Flugverkehr kommt auch die "Süddeutsche Zeitung", deren Freitagsausgabe wir abonniert haben, leider nicht mehr pünktlich ins Haus. Wie wir neulich aus einer Notiz des Distributors erfuhren, muss das Druckerzeugnis mittlerweile zusammen mit der anderen Luftfracht zunächst für 24 Stunden in eine Kompressionskammer, damit sichergestellt ist, dass die messerscharf geschriebenen Artikel mit ihrer geballten journalistischen Sprengkraft kein Flugzeug in die Luft jagen. Oh Mann! Hoffentlich wohnen die Damen und Herren bei der FAA oder wer auch immer diese hirnrissigen Bestimmungen herausgibt, mal einem ordentlichen Sicherheitstraining bei, um blinden Aktionismus von sinnvollen Sicherheitsmaßnahmen zu unterscheiden. Ein exzellenter Artikel von einem Sicherheitsguru auf Computerebene, Bruce Schneier, findet sich in seinem Blog.

Abbildung [1]: Die Süddeutsche muss in die Kompressionskammer, bevor sie zu uns kommt.

Die BART, die U-Bahn in San Francisco, steht dem nicht nach und sperrt aus Sicherheitsgründen alle Bahnhofsklos zu. Hm, das wird die Terroristen sicher abschrecken. Man gewinnt den Eindruck, dass viele die Situation ausnutzen, um lästige Dinge abzuschaffen (Bahnhofsklos) oder bislang verhinderte Eingriffe in die Privatsphäre unter dem Deckmantel "Wir brauchen mehr Sicherheit" durchzudrücken. Am Flughafen stehen Soldaten in Tarnuniform und ellenlangen Gewehren herum. Na, die sind wenigstens sicherer als die Uzis (Maschinenpistolen), mit denen die deutsche Polizei in den frühen 70er Jahren auf dem Höhepunkt der Terrorismusszene die Flughäfen unsicher machte.

Abbildung [2]: Die U-Bahn in San Francisco sperrt die Bahnhofsklos zu.

Da mittlerweile jeder Angst hat, Post mit Milzbranderregern zu erhalten, hat die amerikanische Post ein Flugblatt herausgegeben, nach dessen Anweisungen man eingehende Sendungen kontrollieren soll. Ist die Sendung von jemandem, den man nicht kennt? Ist sie überfrankiert? Steht kein Absender drauf? Dann soll man die Sendung nicht aufmachen, nicht schütteln, nicht daran schnüffeln, sondern an die entsprechenden Behörden weiterleiten.

Abbildung [3]: Die Post gibt Ratschläge, wie Briefe mit Milzbranderregern aussehen könnten

Hier sind die neuesten Nachrichten aus dem Silicon Valley.


 
 
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Letzte Änderung: 26-May-2024