(Angelika) Was dem Michael sein Bier, ist mir meine gute Tasse Kaffee. Ich stellte mich aber vor Antritt unserer Reise darauf ein, auf grünen Tee umzusteigen, obwohl ich dafür immer noch nicht vom Hocker falle. Denn es schien mir unwahrscheinlich, dass Japaner guten Kaffee kochen. Aber auf was stießen wir in Tokio, Hiroshima und Kyoto? Kleine Cafes im europäischen Stil, die nicht nur vorzüglichen Kaffee sondern auch leckeren Kuchen einschließlich Sahnetorten anboten. Die Cafes waren immer rappelvoll. Der Japaner liebt seinen Kaffee. Leider gibt es auch an jeder Ecke einen "Starbucks", die amerikanische Kaffeehauskette, die wie McDonalds sich in jedem Land dieser Welt einnistet (mit Schrecken las ich in der New York Times, dass es "Starbucks" jetzt auch in Österreich und Deutschland gibt - ein Elend). Soviele "Starbucks" wie in Tokio findet man, so glaube ich, in keiner amerikanischen Stadt.
Die Läden glichen haargenau den amerikanischen. Köstlich amüsierte mich allerdings, dass der Starbucks in Japan einen Grünen-Tee-Frappucino im Programm hat. Allgemein lässt sich Tokio kulinarisch nicht lumpen: italienische, indische, französische, chinesische, thailändische, kalifornische und natürlich japanische Küche stehen auf dem Programm.
In Tokio gingen wir zu Testzwecken italienisch essen. Und wieder revidierten wir ein Vorurteil: Dem Essen mangelte es nicht an Authenzität. Wer hätte das gedacht? Normalerweise bringen ja die Einwanderer ihre Küche in das jeweilige Land mit. Nicht so in Japan: Hier lebt nur ein verschwindend geringer Anteil von Ausländern. Und ich schwöre, dass sowohl die Köche als auch die Ober in dem italienischen Restaurant durchweg Japaner waren. Uns fiel auf, dass niemand das Essen ummodelt, um es japanischen Geschmacksnerven anzupassen wie häufig in Amerika der Fall, wo dann auf einmal jeder Nachtisch pappsüß ist. Auch gibt es immer das richtige Besteck: Ich las im Reiseführer, dass der Japaner sehr großen Wert darauf legt. Michael aß Fisch beim Italiener und bekam doch tatsächlich ein Fischmesser. Das ist uns in unseren fünfeinhalb Jahren in San Francisco noch nicht einmal passiert. Und wir essen wirklich viel Fisch.